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Mit Gülleseparation zu mehr Wirtschaftlichkeit

Das Verbundprojekt „Bauernhof Niedersachsen" an dem die Universität Osnabrück und die Universität Göttingen beteiligt sind, beschäftigt sich mit der überregionalen Kaskadennutzung von Nährstoffen.
Phosphat und Stickstoffe – diese und andere wertvolle Bestandteile lassen sich in Wirtschaftsdüngern wie Schweinegülle und Geflügelmist finden. Sie eignen sich nicht nur für den Ackerbau, sondern auch für den Einsatz in Biogasanlagen. Landstriche wie die Bioenergieregion Südoldenburg, die eine große Menge dieser Nährstoffe erwirtschaften, können diese in nährstoffarme Gebiete exportieren. So entsteht eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Denn in einigen Landkreisen Niedersachsens - wie Cloppenburg, dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, Oldenburg, Osnabrück und Vechta - liegt zudem ein Überschuss an Phosphat vor. Die Forschungsstelle für Nachhaltige Biogasnutzung der Universität Osnabrück fand heraus, dass diese Regionen jährlich rund 33.000 Tonnen des Nährstoffs produzieren, die ihren Bedarf übertreffen. Wenn diese Masse in Ackerbauregionen transportiert würde, könnte dort teurer Mineraldünger damit ersetzt werden. Allein mit der Menge der 1,1 Tonnen Geflügelmist aus den niedersächsischen Überschussgebieten ließen sich etwa 80 mittelgroße Biogasanlagen betreiben und knapp 60 Prozent des Phosphats der Region exportieren.
Um auch die restlichen etwa 40 Prozent Phosphat nutzbar zu machen, wird mit verschiedenen Separationstechniken die Gülle in eine flüssige und eine feste und somit transportfähige Phase getrennt. Denn Rohgülle ist aufgrund des hohen Wassergehaltes nicht transportwürdig. Für diese Separationsverfahren nutzt man entweder Pressschnecken oder Zentrifugen. Die Art der Gülle ist entscheidend: Im Fall von Rindergülle lässt sich nur ein Teil der Nährstoffe – Stickstoff und Phosphat – in die Feststoffe übertragen. Bei Schweinegülle lässt sich im Anschluss an die Separation in der festen Masse ein höherer Phosphatanteil verzeichnen, so das Ergebnis des Verbundprojektes.
Wirtschaftsdünger effizient transportieren
Als besonders transportgeeignet stellt sich Hühnertrockenkot heraus, auch Geflügel- und Festmist lassen sich gut befördern. Gülle muss zunächst separiert werden. Die verschiedenen Düngerstoffe werden von unterschiedlichen Fahrzeugen transportiert: Mit Hilfe von Gülleaufliegern und Kombilinern kann flüssige Schweinegülle, mit einem Kipp-Lkw hingegen feste Schweinegülle und Hühnertrockenkot überführt werden. Wissenschaftler der Universitäten Osnabrück und Oldenburg kamen zu dem Ergebnis, dass die Wirtschaftlichkeit der Transportwege je nach eingesetztem Fahrzeug variiert: Die Kosten pro Kilometer bei Kombilinern und Kipp-Lkws belaufen sich auf 5 Cent, während bei Gülleaufliegern 8,5 Cent pro Tonne gezahlt werden. Damit zeigt sich, dass sich der Transport von Schweinegülle mit einem Gülleauflieger bis zu einer Strecke von 200 Kilometern und mit einem Kombiliner bis zu 300 Kilometern lohnt. Feste Bestandstoffe der Schweinegülle lassen sich gewinnbringend bis zu 400 Kilometer und Hühnertrockenkot bis zu 700 Kilometer mit dem Kipp-Lkw fahren. Mit Blick auf das Klima ist der Transport uneingeschränkt zu empfehlen: Weil bei der Vergärung viel Methan eingespart wird, das ansonsten bei der Gülleausbringung an die Luft gelänge, bleibt die Klimabilanz stets positiv.
Die Kosten für den Transport von Wirtschaftsdünger übernehmen in diesem Modell die Betreiber der Biogasanlagen. Die Vergütung von Dünger an den liefernden Betrieb erfolgt nur bei Hühnertrockenkot bzw. Hühnermist, andere separierte Feststoffe werden kostenlos abgeliefert. In den Biogasanlagen könnten die transportierten Feststoffe statt teurer Anbaubiomasse verwendet werden. Wichtig ist, dass die Feststoffe sofort abgedeckt werden – falls nicht, reagieren sie mit Sauerstoff und verwandeln sich in Kompost, mit dem keine starken Erträge erzielt werden können.
Beim Umstieg auf den Einsatz von Wirtschaftsdünger tierischen Ursprungs müssen Biogasanlagenbetreiber mehrere rechtliche Auflagen aus dem Bau- und Veterinärrecht sowie der Düngerverordnung einhalten – dafür werden auch hohe Investitionen fällig. Beispielsweise müssen befestigte Wege gebaut werden, die sich im Bedarfsfall auch desinfizieren lassen. Wenn die Betreiber jedoch mindestens 30 Prozent Gülle in ihrer Anlage einsetzen, lockt ein „Güllebonus" von 30.000 Euro jährlich. Auch zusätzliche Kosteneinsparungen ergeben sich, da Betreiber weniger Energiepflanzen bereitstellen müssen.
Eine Investition, die sich rechnet
Der Umstieg der Biogasanlagenbetreiber auf feste Bestandteile von Schweinegülle und besonders auf Geflügelmist zeigt sich als erheblich rentabler als der Umstieg auf flüssige Schweinegülle: Weniger zusätzliche Investitionen sind notwendig, der Energiegehalt ist größer und die Nährstoffzusammensetzung geeigneter. Auch wenn Betreiber bereits Wirtschaftsdünger nutzen und dessen Anteil erhöhen wollen, eignet sich vor allem Geflügelmist. Während der Rentabilitätsüberprüfung vor dem Umstieg darf nicht außer Acht gelassen werden, dass getätigte Investitionen auf 20 Jahre abgerechnet werden, die Anlage jedoch oft eine viel kürzere Restlaufzeit aufweist. Daher muss die Kostenkalkulation individuell für jede Anlage vorgenommen werden.

2. Projektphase