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Sechs intensive Jahre Forschung beendet

Der Vechtaer Kreislandwirt Norbert Meyer, Projektleiter Uwe Bartels und Franz Jansen-Minßen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zogen gemeinsam Bilanz.
Zum Abschluss von „Bioenergie Region Südoldenburg" zogen die beteiligten Akteure in der letzten Plenumssitzung ein gemeinsames Fazit aus sechs Jahren Forschungsarbeit. Norbert Meyer, Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Vechta, Projektleiter Uwe Bartels und Franz Jansen-Minßen, Experte für Nachhaltige Landnutzung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, sprachen stellvertretend für das Projekt bei der Veranstaltung Ende Juni in der Katholischen Akademie Stapelfeld. Die Kernaussage von Bartels „Wir sind am Ende des Projektes, aber wir haben noch einige Herausforderungen vor uns, die wir gemeinsam lösen wollen", machte deutlich, dass vor der Agrar- und Ernährungsbranche der Region noch große Aufgaben liegen.
Der Projektleiter hob die Bedeutung des in den vergangenen drei Jahren entstandenen Netzwerkes mit Partnern aus Politik, Verwaltung, Gesellschaft, Forschung und Wirtschaft hervor und betonte, dass eine Steigerung der regionalen Wertschöpfung aus Bioenergie nur möglich sei, wenn die Aufbereitung von Gülle und Gärresten umweltverträglich erfolge. Durch die Novellierung des EEG im Jahre 2014 hätten sich die Rahmenbedingungen durch die drastische Reduzierung der staatlichen Förderung zwar erheblich verschlechtert, er zeigte sich aber optimistisch, was die Perspektiven der Bioenergie-Nutzung in der Region angehe. Als positives Beispiel nannte er das Konzept des „Repowering" von bestehenden Biogasanlagen, bei dem durch verschiedene Maßnahmen die Wirtschaftlichkeit der Anlagen gesteigert werden könne. Eine davon ist die Entwicklung einer neuen Technik der Biomassevergasung, bei der der Wirtschaftsdünger in Form von Pellets vergast und zu Strom und Wärme umgewandelt wird.

Als große Zukunftsaufgabe stellte Bartels die Regelung des Nährstoffüberschusses in der Region dar, der in den letzten zehn Jahren gestiegen sei und sich durch den Betrieb von Biogasanlagen noch verschärft habe. Denn für eine boden- und umweltverträgliche Düngung bestehe derzeit ein zusätzlicher Flächenbedarf von 52.300 Hektar. Die Intensivierung des Exportes von Gülle und Gärresten in nährstoffarme Regionen ist nur eine Lösungsvariante. Um diesen effizient zu gestalten, seien neue Techniken zur Trocknung oder Eindickung notwendig. Er wies zudem auf die Sensibilität des Themas Nährstofftransporte in den Ackerbauregionen mit geringem Viehbestand hin. Hier müsse sensibel mit den Ängsten und Widerständen in der Bevölkerung umgegangen werden und es sei wichtig, die exakte Dosierung einzuhalten und Probleme wie Nitratauswaschung, Bodenverdichtungen, Lärmbelästigungen sowie Geruchsbelästigungen und Emissionsfreisetzungen zu minimieren.

Franz Jansen-Minßen lobte das mittlerweile umfassende Netzwerk und die im Projekt erarbeiteten Erkenntnisse als eine gute Basis für eine weiterführende Suche nach praktikablen Lösungen für eine funktionierende Nährstoffkreislaufwirtschaft. Er sieht im Recycling des Rohstoffs Phosphat eine wichtige Zukunftsaufgabe, da es in vielen Regionen einen Phosphat-Mangel gebe. Zugleich stellte er fest, dass eine Kontrolle der Nährstoffeinbringung auf freiwilliger Basis nicht ausreichen werde. Auch im Bereich des Baurechts und des Düngerechts müssten Lücken geschlossen und rechtliche Instrumente geschaffen werden, um in Zukunft einen ausreichenden Wasserschutz zu gewährleisten. Denn dieser sei im Sinne einer nachhaltigen Landnutzung nur gemeinsam zu erreichen. Eine Möglichkeit entsteht bereits durch die Änderung der datenschutzrechtlichen Bestimmung hinsichtlich eines Abgleichs der Tier- und Flächendaten. „Wir haben Lösungsansätze und müssen sie nun in die Praxis umsetzen", forderte der Agrarexperte ein kooperatives und transparentes Handeln aller Akteure.

Stellvertretend für die Landwirte resümierte Norbert Meyer, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Vechta, unter anderem darüber, dass die Gesetzgebung mit ihren deutlich begrenzten Zeitfenstern zur Ausbringung von Gülle ein großes Problem darstelle. Das gelte sowohl für die Landwirte vor Ort wie auch für die Ackerbauregionen und Lieferanten, die den Dünger dorthin transportieren müssen. Das Hauptproblem bei der Verschärfung der Düngeverordnung sieht er jedoch in der zunehmenden Regulierung der Phosphat-Düngung: „Es kann nicht sein, dass wir Phosphat nicht mehr in der Höhe des Pflanzenbedarf düngen dürfen", so Meyer. Auch er betrachtet das Nährstoffproblem längst nicht als gelöst, betonte aber die wichtigen Impulse, die aus dem Projekt „Bioenergie Region Südoldenburg" hervor gegangen seien und mahnt Konsequenz in den Bemühungen gemeinsame Lösungen zu finden an.

Uwe Bartels Schlussfolgerung knüpfte an die Aussagen seiner Vorredner an. Er hob jedoch auch die erreichten Fortschritte in Sachen technischer Neuerungen wie Kombiliner oder Separationsverfahren hervor. Künftig gelte es, weitere innovative Maßnahmen, wie das Vollrecycling vor Ort oder zentrale Großanlagen zur Gärrestaufbereitung, voranzutreiben. Das AEF plane, das Thema Bioenergie weiter zu verfolgen, und zwar in einem gemeinsamen Forschungsverbund mit den Universitäten Göttingen, Vechta, Osnabrück, der Hochschule Osnabrück und der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie der Wirtschaft.

2. Projektphase